Motorsegler-ausbildung

Der Reisemotorsegler, auch TMG (Touring Motor Glider) genannt, verbindet die Welt des Segelfliegens mit der des Motorflugs. Sein großer Vorteil liegt in der Unabhängigkeit von der Thermik und den Helfern am Boden. Somit kann man problemlos seine Wunschziele anfliegen, wie z.B. die Ostfriesischen Inseln oder den Harz. Selbst auf Verkehrsflughäfen wie Hannover oder Paderborn darf man mit einem TMG landen. Der Vorteil gegenüber einem reinen Motorflugzeug ist die bessere Gleitleistung, die es bei guter Thermik ermöglicht, den Motor abzustellen. Dies bringt zudem größere Sicherheit bei einem unwahrscheinlichen Motorausfall.

Die Ausbildung kann entweder als Erweiterung einer bestehenden Segelfluglizenz (SPL) oder als vollständiger Einstieg ohne fliegerische Vorkenntnisse erfolgen. Als Erweiterung ist die TMG-Ausbildung innerhalb von etwa sechs Monaten möglich. Wer als sogenannter „Fußgänger“ startet, sollte mit einer Ausbildungsdauer von rund anderthalb Jahren rechnen.

Formale Anforderungen

Die Ausbildung darf ab 16 Jahren begonnen werden. Die Lizenz kann frühestens mit 17 Jahren erworben werden. Vor dem ersten Alleinflug müssen vorliegen:

  • ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis der Klasse II bzw. LAPL
  • eine positive Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZÜP)

Während der Ausbildung selbst muss folgende Flugerfahrung erworben werden:

  • mindestens 15 Stunden Gesamtflugzeit auf Segelflugzeugen oder TMG
  • davon mindestens 10 Stunden mit Fluglehrer
  • mindestens 2 Stunden im Alleinflug unter Aufsicht
  • mindestens 45 Starts

Wer bereits Inhaber der SPL ist, hat diese ersten 5 Anforderungen bereits erfüllt. Für die TMG-Berechtigung gilt zusätzlich:

  • mindestens 6 Stunden auf TMG
  • davon mindestens 4 Stunden mit Fluglehrer
  • ein 150km Allein-Überlandflug

In der Regel werden von einem Flugschüler mehr als die hier genannten Mindestzahlen benötigt.

Praktische Ausbildung

Die praktische Ausbildung auf dem TMG gliedert sich grundsätzlich ähnlich wie die im reinen Segelflug. Begonnen wird mit der Bodeneinweisung und Vorflugkontrolle. Weiter geht es mit der Beherrschung des Flugzeugs im Geradeaus- und Kurvenflug, was für einen SPL-Inhaber kein Problem darstellen sollte. Die meiste Zeit der Ausbildung wird in der Regel für das Erlernen des Startens und Landens aufgewendet. Nach der Behandlung von Notverfahren wird der erste Ausbildungsabschnitt mit dem ersten Alleinflug abgeschlossen.

Im zweiten Ausbildungsabschnitt werden die fliegerischen Fähigkeiten weiter vertieft. Beispielsweise werden nun Starts und Landungen bei starkem Wind sowie das Abstellen und Neustarten des Motors im Flug geübt.

Der wesentliche Unterschied zur Segelflugausbildung besteht im dritten Ausbildungsabschnitt, in dem es um die Ausbildung zum Streckenflug geht. Während sich die Segelflugausbildung hauptsächlich auf die effiziente Nutzung der Thermik konzentriert, werden bei der TMG-Ausbildung stärker An- und Abflugverfahren und die Navigation trainiert. Dabei werden verstärkt fremde Flugplätze und Verkehrsflughäfen angeflogen, die den Piloten mit der ungewohnten Umgebung herausfordern. Bei Verkehrsflughäfen kommt weiterhin der intensivierte Sprechfunkverkehr hinzu.

Abgeschlossen wird dieser letzte Ausbildungsabschnitt mit dem 150km Überlandflug. Dabei muss im Alleinflug eine Landung auf einem anderen Flugplatz durchgeführt werden. Eine klassische Route für einen solchen Flug ist Oerlinghausen – Borkenberge und wieder zurück.

Theoretische Ausbildung

Der Theorieunterricht wird hauptsächlich in den Wintermonaten von November bis Mitte März in Kooperation der Segelflugvereine in Oerlinghausen durchgeführt. Die Theorieprüfung wird bei der Bezirksregierung Münster abgelegt und besteht aus 9 Fächern, die einzeln bestanden werden müssen. Die Prüfung besteht ausschließlich aus Multiple-Choice-Fragen, welche zu 75% richtig beantwortet werden müssen. Außerdem muss ein Funksprechzeugnis BZF I oder II erworben werden. Das BZF I berechtigt zusätzlich zur Durchführung des Sprechfunks in englischer Sprache.

  • Luftrecht
  • Navigation
  • Meteorologie
  • Kommunikation
  • Betriebliche Verfahren
  • Grundlagen des Fliegens
  • Flugplanung und Flugleistung
  • Allgemeine Luftfahrzeugkunde
  • Menschliches Leistungsvermögen
  • Funksprechzeugnis BZF I oder II (separater Lehrgang)

Wer bereits Inhaber der SPL ist, muss keine weitere Theorieprüfung ablegen.

Praktische Prüfung

Die praktische Prüfung ist der letzte Schritt zur Motorseglerberechtigung. Die praktische Prüfung besteht in der Regel aus drei Platzrunden, bei denen insbesondere das Starten, Landen und die Notverfahren abgeprüft werden. Zudem wird ein mindestens 30-minütiger Navigationsflug durchgeführt, bei dem meist die Kontrollzone eines Verkehrsflughafens durchflogen wird. Da im Motorsegler nur zwei Sitzplätze vorhanden sind, ist, im Gegensatz zur Fahrprüfung, der Prüfer auch gleichzeitig ein Fluglehrer.

Und wie geht es weiter?

Um als frisch gebackener Inhaber einer TMG-Lizenz Gäste, z.B. Familie oder Freunde, mitnehmen zu dürfen müssen zusätzlich 30 Starts oder 10 Stunden und ein Flug mit Fluglehrer absolviert werden. Wer diese Anforderungen bereits nach dem Erhalt der SPL erfüllt hat, darf direkt mit Gästen fliegen. Natürlich gibt es auch nach dem Scheinerhalt noch Ziele für den ambitionierten Piloten:

  • Nach Abschluss der Ausbildung auf unserem Falken bietet sich die Umschulung auf unsere deutlich schnellere und komfortablere Dimona an. 
  • Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den LAPL(A) zu erwerben. Mit dieser Lizenz dürfen viersitzige Motorflugzeuge geflogen werden. Für Inhaber einer TMG-Lizenz ist der Weg dorthin deutlich verkürzt, da bereits erworbene fliegerische Erfahrung und Ausbildungsinhalte angerechnet werden können.